Das Beste für die Reste

Resteessen sind eigentlich eine tolle Sache, denn aus Resten kann man Neues zaubern, manchmal Unerwartetes oder noch nicht Dagewesenes, aber immerhin etwas Frisches. Mit den Essensresten verhält es sich dagegen umgekehrt und genau wie mit der GroKo: man sollte sie nicht allzuoft aufwärmen, denn sie verlieren jedesmal mehr an Substanz und Biss, gehören also eher in den Orkus.

Aber hat schon jemals jemand von Resteessen geschwärmt? Oder auf dem Titel eines Food-Magazins etwas über „die 100 besten Reste-Rezepte“ gelesen?

Nein, das geht auch gar nicht, denn allein der Begriff vom Resteessen konnotiert sogleich den vom Essensrest, von klebrigen Tellern, von Resteverwertung, und der Gedanke spinnt ohne Umwege weiter zur Abfallverwertung, zu Verdorbenem und anderen unappetitlichen Dingen in dieser Kategorie.

Reste sind wahrscheinlich eher ein Luxus- und Überflußproblem. 18 Millionen Tonnen Lebensmittel landen in Deutschland laut WWF jährlich in der Tonne, das macht pro Sekunde 313 kg genießbare Nahrungsmittel. Allein 40 Prozent davon Gemüse und Obst. Alles in allem viel zu viel. Doch schweifen wir nicht ab…

Denn Reste sind wie gesagt eigentlich eine tolle Sache. Sie schenken uns Zeit, die man sonst mit Einkaufen verbringt. Mir ging das zumindest bis in die erste Januarwoche hinein so, weil wir noch satt eingedeckt waren mit verschiedenen Gemüsen vom Gemüsefondue, mit Salaten und Obst, die für die ganzen Feiertage, Einladungen und Besuche eingelagert waren.

Im Gemüsefach liegen noch immer übrig gebliebene Paprikaschoten, ein paar Rosenköhlchen, drei gekochte Kartoffeln, ein paar Grünkohlblätter vom Beet, ein halber Radicchio, ein halber Chinakohl, eine Handvoll Kürbisscheiben, Spinat. Manchmal überschätzt man eben seinen Bedarf.

Reste machen das Kochen leicht, sie nehmen Entscheidungen ab, man muss nur etwas daraus machen. Findige Menschen haben sich sogar schon eine App für Resteesser ausgedacht. Völlig unnötig, denn wieviele Gerichte sind nichts anderes als resteverwertende Mahlzeiten, dafür prädestiniert, immer neu kombiniert zu werden, bekannt unter den Namen Minestrone, Mung-Fu, Tortilla, Paella, Pizza, Eintopf? Es gibt sie in jeder Länderküche. Allein sie liefern Gründe genug, Gemüse nicht verkommen zu lassen.

Und was, wenn von der Minestrone etwas übrig bleibt? Die schmeckt zum Abendessen aufgewärmt nochmal so gut. Anders als die GroKo.

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