Heilend: „Achtsame Ayurveda Küche“

Ayurvedisch Kochen und Achtsamkeit liegen schwer im Trend. Autor und Seminarleiter Nicky Sitaram Sabnis versucht mit seinem neuen Kochbuch, diese in den westlichen Lebensstil zu integrieren

Vor nicht allzu langer Zeit gab es auf dem TV-Sender Arte eine beeindruckende Dokumentation über ayurvedische Heilkunst in Indien, wo sie seit Mitte des 2. Jahrtausends v. Chr. bis heute von besonders ausgebildeten und befähigten Ärzten praktiziert wird.  Als Westeuropäer wird man da mit Diagnosemethoden und Diagnosekompetenzen konfrontiert, die in unserer hochtechnisierten Apparate-Welt keine Rolle spielen, da sie vor allem auf den Erscheinungsbildern von Puls, Zunge, Augen usw. beruhen und in gleichem Maße abhängen von der langen Erfahrung und dem Einfühlungsvermögen des Arztes. Geheilt wird ganzheitlich mit differenzierten, individuellen Kräuteranwendungen, Yogaübungen und Ernährungsplänen, also eigentlich ganz pragmatisch. Und in der Doku mit wirklich beeindruckenden Erfolgen.

Nicht ohne Grund reisen heute Menschen scharenweise nach Sri Lanka oder Südindien zur Ayurvedakur. Alternative genauso wie Businessgestresste, in einfache Resorts oder in Luxus-Spas, zum Abschalten, Abnehmen, Entschlacken, Gesundwerden. Wie bei allen Kuren und Diäten bedeutet das natürlich auch Verzicht, der gerne hinterher – das haben mir Freunde gebeichtet – beim Italiener wieder kompensiert wird.

Nicky Sitaram Sabnis, Autor des Buches „Achtsame Ayurveda Küche“, lebt seit vielen Jahren in Deutschland und ist erfolgreich als Seminar- und Kochkursleiter der ayurvedischen Küche in einem bayerischen Kloster.  Ayurvedisch zu kochen heißt vor allem, individuell zu kochen, orientiert an den 3 Doshas und seinen Mischtypen, die Gerichte ändern sich dabei im Verlauf der Jahreszeiten, und sie werden natürlich drei Mal täglich frisch zubereitet. Jeder Konstitutionstyp bevorzugt andere Lebensmittel und andere Gewürze, um im Gleichgewicht und in Harmonie zu bleiben. Klingt kompliziert und aufwändig und nicht vereinbar mit unserem schnellen Alltag? Hier eben nicht.

Mit seinem neuen Werk macht es Nicky Sitaram Sabnis dem Interessierten leicht, denn die „100 Rezepte für alle Doshas“ eignen sich für jeden Konstitutionstypus, und sie sind reich an Gewürzen, die alle sechs Geschmacksrichtungen berücksichtigen. Einzelne Zutaten können ausgetauscht, die Gerichte untereinander kombiniert und so zu vielfältigen Menüs zusammengestellt werden. Neben zahlreichen Tipps und Erläuterungen zum ayurvedischen Kochen, ist das Buch gut bebildert mit schönen, appetitanregenden Fotos der Speisen.

Nicky Sitaram Sabnis: „Achtsame Ayurveda Küche. 100 Rezepte für alle Doshas“, Dorling Kindersley Verlag, München, 2019

Die Rezepte sind einfach in der Umsetzung. Einige Gewürze wird man nicht vorrätig haben, aber das ist bestimmt nicht entscheidend. Es gibt Anregungen zu Frühstück, Vorspeisen, Suppen, zu vielen vegetarischen Hauptgerichten, aber auch Fisch und Fleisch, Brot, Desserts usw. Was optisch jedoch sehr vielversprechend aussieht, ist auf dem Teller nachher geschmacklich doch relativ blass und löst keinen Wow-Effekt aus. Die Gewürzmischungen, also Currys, werden anders zusammengestellt und umschmeicheln unseren Gaumen, der die indischen Küche gewöhnt ist, nicht besonders. Vielleicht nur eine Frage der Gewürzmengen? Unterm Strich aber leider nichts, mit dem man einen Stern gewinnen kann.

Was dem einen fad erscheinen mag, nennt der andere eben gesund. Das Ziel der ayurvedischen Lebens- und Ernährungsweise ist, ein Ungleichgewicht auszubalancieren und dadurch zu einem bewussten, achtsamen Lebensstil zurückzufinden. Das wichtigste Credo des Autors lautet deshalb auch : „Kochen mit Liebe und Hingabe“. Darum geht es hier vorrangig.

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