Zichorien (Cichorium intybus L.)

Ein schwieriges Kapitel. Chicorée, Schnittzichorie, Zuckerhut, Radicchio, Puntarelle – alle sind sie miteinander verwandt, könnten im Anbau aber unterschiedlicher nicht sein. Ich habe mir den Radicchio „Rossa di Treviso“ , den man hier vergeblich im Geschäft sucht, und die Puntarelle, auch diese hier im Norden unbekannt, ausgesät und schaue ihnen soweit möglich beim Wachsen zu. Ich sage das deshalb, weil es im Garten von mir noch nicht eindeutig identifizierte Feinschmecker gibt, die die jungen Blätter gerne komplett abknabbern. Ich tippe auf Reh oder Hase.

Bisher wurden die bitteren Salate von den Tieren immer verschont, aber meine Puntarelle scheinen doch gefährdet zu sein. Puntarelle oder auch Cicoria Catalogna genannt, werden manchmal mit Löwenzahn verwechselt. Im deutschsprachigen Raum ist der Name Vulkanspargel gebräuchlich. Der Pflanze wächst aussen herum ein Kranz aus langen, gezahnten Blättern mit weißer Rippe, in der Mitte jedoch eine Blüte aus kurzen, dicken Knospen, die im Aroma kaum bitter sind und gut als Rohkost gegessen werden können. Schon die alten Römer haben dieses Gemüse sehr geschätzt.

Blüten der Schnittzichorie
Blüten der Schnittzichorie

Die Schnittzichorien, etwa die „Bionda die Trieste“, wiederum wachsen ganz einfach wie lockere Salate, sind in den Mischungen von italienischen Pflücksalaten (Misticanza) enthalten und bilden im zweiten Jahr Blüten aus, wenn man sie nicht abschneidet. Dann erkennt man leicht die Verwandschaft mit der gemeinen Wegwarte.

Auch beim Radicchio handelt es sich um eine Form der Zichorie. Der rote Radicchio wächst wie ein Kopfsalat, aussen mit dicken, grünen Blättern und einem festen inneren Herz. Beim „Radicchio di Treviso“ und „Rosso die Verona“ ist dieses hochoval geformt.

Beim Chicorée sät man im Mai aus, die Köpfe ähneln dem Radicchio, rodet diese im Herbst und lagert die ausgegrabenen Wurzeln eng an eng in Eimern für den Winter in einem dunklen, kühlen Raum ein. Dort beginnen die Wurzeln nach etwa drei Wochen wieder auszutreiben – und man erntet …Chicorée


Steckbrief

Sorte:Catalogna Puntarelle Brindisina“ , frühreife Sorte, aufrechte Pflanze mit gut
zusammengefasstem Kopf und langen zapfenförmigen Keimen, Blätter lang, gezackt mit dicker weißer Rippe. Italienische Spezialität für Salate und Feinschmeckergerichte. Das Saatgut der Puntarelle ist samenfest.

Die Catalogna-Blätter müssen nur wie Spinat in leicht gesalzenem Wasser gekocht, abgetropft, mit Parmesan bestreut und mit Olivenöl beträufelt werden. Mit Ciabatta-Brötchen oder zu Pasta essen. Köstlich!

Aussaat:

  • Juni bis August
  • Keimung bei 20° C, optimales Wachstum 15-25°C, mindestens 5°C für gutes Wachstum
  • Standort sonnig
  • passt sich verschiedenen Böden an, zieht jedoch lockeren fruchtbaren Boden mit Humusanteil, der Wasser speichern kann, vor.

Sorte:Rossa di Treviso“ , spät reife Sorte, mittelgroß, schmale längliche rote Blätter mit ausgeprägten weißen Rippen, zart und knackig, kälteunempfindlich. Das Saatgut ist samenfest.

samentüten
Empfehlenswerte Adressen für Saatgut

Aussaat:

  • Juni bis September
  • Schwachzehrer
  • direkte Aussaat ins Beet vorteilhaft oder Vorkultur in Anzuchttöpfen
  • Keimung bei 20°C
  • lockerer, tiefgründiger, humoser Gartenboden
  • bei Pflanzung Hornmehl oder Kompost einarbeiten
  • Abstand in Reihen 25×15 cm
  • Rotfärbung erfolgt erst bei kühlen Nächten
  • bei Überwinterung im Spätherbst Blätter einkürzen und gegen Frost schützen

Familienzugehörigkeit: Korbblütler

Balkongeeignet: ja, im Topf mit genügend Raum nach unten für die Pfahlwurzel

Kulturdatenblatt 2016:
– Juni Aussaat „Rossa di Treviso“, im Juli dann ins Beet gesetzt
– Juni Aussaat Puntarelle in Anzuchtschale, nach etwa zwei Wochen laufend nach Tierfraß ins Hochbeet und andere Standorte gesetzt und ersetzt. Im Juli sind die älteren Pflanzen schon an die 40 cm hoch

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