Warum Klima-Fasten nicht ausreicht

Es ist so einfach, nein, es könnte so einfach sein und ist offensichtlich doch so schwer: Der Verzicht oder zumindest signifikante Verzicht auf Fleisch. Dies käme nicht nur der eigenen Gesundheit zugute, sondern vor allem auch unserem Klima. Insgesamt geht der Fleischverzehr in der westlichen Welt zurück, aber es reicht nicht, um eine positive globale Kettenreaktion in Gang zu setzen.

Nur in den 40 Tagen der Fastenzeit, nachdem die Faschings-Pappnasen wieder in den Schubladen verschwunden sind, besinnen sich erstaunlich viele Menschen darauf etwas für sich zu tun, nämlich 56% der Befragten einer Studie der DAK-Gesundheit. Von der fastenbereiten Bevölkerung würden 70% dem Alkohol entsagen, 64% an Süßigkeiten sparen, 41% immerhin kein Fleisch mehr essen, 40% keine Zigaretten mehr rauchen und auch ab und an Handy und Laptop mal auslassen. Alles natürlich nur optional und unverbindlich.

Die Fastenzeit ist heute eine säkulare Angelegenheit und gehört zum modernen Lifestyle unserer satten Gesellschaft. Diätfasten, Heilfasten, Intervallfasten, Intermittierendes Fasten, im Spiegel, bei bento.de, in der Apotheken Rundschau – überall gibt es Tipps für diese „harte Zeit“.

Ich möchte nun keine heiligen Kühe schlachten, aber von unseren Umweltschutzorganisationen hätte ich mir eigentlich gerade jetzt angesichts des dokumentierten Klimawandels mehr erhofft. Kirche kann das doch auch, die konservativen Katholiken insbesondere, wenn auch aus anderen Beweggründen.

Sie legen zumindest den Finger in die Wunde. Die Pfarrer fordern von der Kanzel aus zum Fasten auf. Wenn möglich bitte mit einem grundsätzlichen Überdenken der Konsumgewohnheiten für die Zeit danach. Ich finde, nur allein darum sollte es gehen.

Schon letztes Jahr vor dem Klimagipfel in Paris haben tausende Kirchenmänner und -frauen gezeigt, wozu sie imstande sind, nämlich ihre Solidarität mit den Opfern des Klimawandels durch Hungern zu bekunden. Sogar ein Öko-Dschihad wurde ins Leben gerufen, um das Klima zu retten.

In diesem Kontext klingen die Katholiken mit ihrer Idee der völligen Abstinenz bis Ostern schon fast wie Betreiber eines SM-Etablissements, in der die heiligende Selbstgeisselung, die Abtötung der Eigenliebe, die Teufelsaustreibung eine „wichtige Waffe in unserem Kampf gegen die Mächte der Finsternis“ ist. Das mag man glauben oder nicht.

Aber immerhin sind sie es, die zu bedenken geben, dass „Verzicht (…) heute noch als individueller Befreiungsakt initiiert werden (kann), in 50 Jahren wird er aufgrund der sich verschärfenden Umweltproblematik kollektive Notwendigkeit sein.“ Wahrscheinlich haben sie das Schulmaterial des Bundesministeriums für Umwelt und Naturschutz studiert, in dem zum Thema „Fleischkonsum: Klima- und Umweltbilanz“ eindeutige Folgerungen gezogen werden.

Stattdessen hätte ich diese Aussage eigentlich gerne von Greenpeace und Konsorten gehört. Besonders erstaunt mich wie sie mit der Fastenzeit umgehen. Sechs Wochen fasten für das Klima? Ja, das liegt doch im Trend. Erwarten würde man eine grundsätzliche Initiative gegen den Fleischkonsum, gegen Massentierhaltung – eben gegen den Klimakiller No.1.  Aber was passiert? Greenpeace applaudiert bloß brav der BUND-Jugend für ihren Einsatz: „Toril ernährt sich sechs Wochen lang ohne Tier, Eier und Milch, Ferdinand verzichtet komplett auf Zucker und Vera kauft nur noch Lebensmittel, die nicht in Plastik eingeschweißt sind. Janna lässt das Smartphone in der Schublade und Marie nimmt immer das Fahrrad.“  Ist das nicht Pipifax? Wie wollen Umweltaktivisten so die Welt verändern?

Nein, es liegt allein in der Hand eines jeden Einzelnen was er ißt, einkauft, weglässt. Vielleicht ist auch der Begriff des Verzichts einfach falsch. Ich verzichte nicht, ich geissele mich nicht, wenn ich keine toten Tiere esse. Im Gegenteil. Ich esse niemals Fleisch, es geht mir blendend damit, ich bin gesund, ich freue mich über das Leben. Darüber hinaus gibt es mir ein  gutes Gefühl. Aus „sechs Wochen Fasten für das Klima“ muss ein nachhaltiges „Ich-esse-immer-weniger-Fleisch-und-bin-ein-Held“ werden. Das macht Sinn. Ich kenne einige Leute, die ihre Essgewohnheiten bewußt verändert haben. Aber erschreckend viele machen sich darüber überhaupt keine Gedanken. Dabei wäre es so einfach…

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