Mit Prep und App

Was passiert mit der zurückgelassenen Familie, wenn die Köchin für mehrere Tage verreisen muss, etwa, um in Italien ihre Handwerker zu koordinieren? Dann fährt der Mann mit, die Kinder freuen sich über die sturmfreie Bude, die Hunde sind traurig und die Köchin ist um das leibliche Wohl besorgt, weil sie schon ahnt, wie die Küche genutzt werden wird: nämlich gar nicht, zumindest was das Kochen sinnvoller Gerichte anbelangt. Unter „sinnvoll“ fällt dabei jegliche Art von Gemüse oder Salate.

Realistisch betrachtet wird die Küche dann für die Zubereitung von Toasts, Müslis und vielleicht einer Nudel mit Butter, bei ganz guter Laune der halbwüchsigen Interimsköchin, ganz vielleicht mit Tomatensauce aus dem Glas, genutzt. Mehr sollte man nicht erwarten. Selbst wenn der Salat gewaschen ist und das Dressing schon vorbereitet im Kühlschrank wartet.

Das hat man nun davon, dass man die Mischpoke tagtäglich gewissenhaft bekocht: eine faule Bande, die sich in Eigenregie zu nichts aufraffen kann als einen Joghurtbecher aufzureissen (der dann nach Rückkehr der Köchin garantiert vertrocknet mit Löffel im Zimmer unter dem Bett geparkt ist).

Um der völligen Verlotterung entgegenzuwirken, gibt es im Prinzip nur eine Lösung: eine großen, unübersehbaren Zettel zu machen, sämtliche zu erledigenden Aufgaben darauf zu notieren, mit Textmarker und Unterstreichungen das Wichtigste hervorzuheben, so dass auch die müdesten Augen einen Halt finden.

Um den Tagen Struktur zu geben, werden darüber hinaus für jeden (oder fast jeden) Tag Gerichte notiert, deren Umsetzung dann per WhatsApp kontrolliert wird. Für irgendetwas muss diese App ja gut sein. Und um die Bande in Zugzwang zu bringen, wird vorgekocht. Das liegt heute ja sowieso wieder voll im Trend.

Man nennt es auch nicht mehr Vorkochen, sondern Meal Prep. Es stimmt schon, das Wort Vorkochen hat ein bißchen was von Kittelschürze und 500-Liter-Tiefkühltruhe. Dennoch ist diese Tätigkeit für gewisse Situationen äusserst praktisch, bedeutet aber auch einen nicht zu unterschätzenden Aufwand. Denn der Vorgang des Kochens – zumindest wenn man etwas Abwechslung will – bleibt ja der gleiche. Nur, dass er auf einen oder zwei Tage verdichtet wird.

Die moderne Art des Vorkochens richtet sich vor allem an Berufstätige, die nach dem Job keine Lust mehr haben, erstmal noch am Herd zu stehen, bevor sie ihn nachher wieder putzen müssen, an ernährungsbewußte Sportler, die sich tagsüber im Moment der Unterzuckerung nicht doch durch einen duftenden Streuselkuchen vom Bäcker verführen lassen wollen und Blogger, die gerne ihre Hallo-ihr-Lieben-meine-super-leckere-Mittagspausen-Buddha-Bowl bei Instagram veröffentlichen.

Wie so oft ist Planung auch hier das A und O und deshalb erscheinen – oh Wunder – sogar schon Kochbücher darüber, die Meal Prep zu einer Ernährungsphilosophie deklarieren und diese single- und familiengerecht aufbereiten. Ich würde behaupten, brauchen tut man es nicht wirklich.

Ich habe jedenfalls gestern tonnenweise Schupfnudeln vorbereitet, die im Tiefkühlfach lediglich auf die Pfanne warten, Käsebrötchen gebacken, die in den nächstenTagen auch ohne Belag als Schulbrot herhalten können und Tomatensuppe gekocht, die notfalls auch als Sauce für Nudeln eingesetzt werden kann. Der Salat, nun ja, der wartet weiterhin im Kühlschrank auf das spontane Verlangen nach Vitaminen und Grünzeug, daneben Gurken, Paprika, Oliven, geröstete Brotwürfel und Feta für die griechische Variante. Man muss ja ein Angebot machen.

Zur Sicherheit und um der Versorgung Willen wird dann trotzdem noch das bereits ausgeflogene Kind ins Nest zurückgebeten, um der im Ausland weilenden Köchin ein besseres Gefühl zu geben. Meal prep und WhatsApp hin oder her.

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