Garten-Aliens

Ich würde mich nicht als zimperlich bezeichnen. Zumindest was Tiere anbelangt. Ich springe zum Beispiel beim Anblick einer Maus nicht gleich hysterisch auf den Tisch – im Gegensatz zu einer meiner Freundinnen. Selbst Spinnen versetzen mich nicht in nennenswerte Unruhe. Schon der Kinder wegen bleibe ich demonstrativ cool und greife sie allen inneren Widerständen zum Trotz heldenhaft mit der blossen Hand (natürlich nur, solange sie noch dünne Beine haben).

Etwas anders sieht es aus, wenn ich – unbeobachtet – zum Kompost schreite, um dort meine alten Kartoffel- und Kohlrabi-Abfälle zu versenken. Jedesmal, wenn ich den Deckel öffne, habe ich die absurde Angst, dass mir irgendwelche Regenwürmer oder abscheuliche Aliens ins Gesicht springen. Schnell den Deckel wieder schließen!

Auch zu den meterlangen Ringelnattern im Garten ist mein Verhältnis zwiegespalten. Einerseits erfüllt es mich mit Stolz, dass sie gerade hier ihre Sonnenplätze eingerichtet haben, aber sie gruseln mich doch, und mehr als ein Mal bin ich kreischend vor Schreck vor ihnen geflüchtet (und sie vor mir).

Aber der absolute Horror suchte mich vor ein paar Tagen in Form einer mittelgrossen, hellbraunen Nacktschnecke heim, die aus dem Überlauf meines Spülbeckens gekrochen kam. Ich möchte nicht wissen, wie sie da hingekommen ist. Ich möchte auch nicht wissen, ob da womöglich noch mehr rauskommen, und eines morgens meine Küche komplett zugeschleimt ist. So wie in einer der Erzählungen von Patricia Highsmith.

Wahrscheinlich ist sie einem meiner durchlöcherten Kopfsalate beim Waschen enteilt. Mir ist sowieso schleierhaft, wie andere Salatgärtner es hinkriegen, dass ihre Salatköpfe immer so makellos aussehen. Meistens sind sie noch nicht mal schmutzig. Selbst die aus dem Bioladen sind optisch einwandfrei, dabei kommen die doch vom Feld. Von den Nährflüssigkeitsumspülten aus Holland ganz zu schweigen. Mehr als Äußerlichkeiten haben die ja sowieso nicht zu bieten.

Das Problem ist, ich esse Salate einfach zu gerne, als darauf zu verzichten. Was tun? Der Heißhunger meiner Laufenten auf Schnecken hat rapide nachgelassen, seitdem sie sich den Bauch lieber mit Kaulquappen und Libellenlarven vollschlagen. Ginge mir wahrscheinlich ähnlich.

Vielleicht bin ich ja doch zimperlich. Schließlich ist mir bis heute noch kein einziger Mollusk über den Teller gekrochen. Vielleicht ist das einfach der Preis, den ich bei so viel Natur um mich herum zahlen muss.

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