Geheimtipp unter Männern

Egal ob Dry January oder Veganuary – es ist jedenfalls wieder soweit, Fasten, Askese und Diäten jedweder Art gehören zu diesem Monat wie das nasskalte Wetter draussen. Man entkommt ihnen einfach nicht. Auf allen Kanälen, in Zeitschriften, Morgenmagazinen, Ratgebersendungen, Podcasts geht es um smarte Strategien zur Gewichtsreduktion. Sie zwingen einen, den Blick nicht ungestüm nach vorn zu richten, sondern erstmal runter auf die Anzeige der Waage. Puh! Hier manifestiert sie sich, die erbarmungslose Realität der überflüssigen Pfunde. Eine echte Spaßbremse.

Dabei habe ich den Überblick, ehrlich gesagt, schon längst verloren. Soll ich nun Intervallfasten, ab 18 Uhr keine Kohlehydrate mehr essen oder gar beides kombinieren für den doppelten Effekt? Schon mal etwas von Dash-Diät gehört? Da verjüngt sich angeblich der Körper, was ja auch nicht ganz reizlos erscheint. Und wie bringe ich das nun alles mit der Regel „Fünf am Tag“ unter einen Hut? Ich weiß nur eins: Von der für den ein oder anderen Mann typischen, ich nenne sie jetzt mal Chipstüten-Wein-Diät, würde ich auf jeden Fall abraten….

Meine Freundinnen und ich sitzen ja manchmal kopfschüttelnd zusammen und lachen uns schlapp über die merkwürdigen Angewohnheiten und Theorien unserer Männer. Ich zum Beispiel habe es mir ganz einfach abgewöhnt, meinem Mann die drei Teelöffel Zucker plus Milch im Kaffee oder Tee ausreden zu wollen. Oder ihm das Problem mit den Kohlehydraten zu erklären. Ich lasse es, denn unbequemen Einsichten müssten ja dann auch Taten folgen. Und Verzicht geht gar nicht.

Mit ist schleierhaft, warum wir Frauen uns immer das Leben so schwer machen. Abnehmen geht nämlich angeblich super einfach, wenn man der bereits erwähnten Chipstüten-Wein-Diät folgt. Es muss sich hier um einen Geheimtipp unter Männern handeln. Ich habe tatsächlich von erschreckend vielen männlichen Personen gehört, die der absurden Überzeugung sind, abzunehmen, wenn sie sich den halben Tag kasteien, heroisch lediglich einen Becher heiße Brühe mittags schlürfen oder eine Büchse Fisch essen (und zur Belohnung dann hinterher den besagten Kaffe mit Milch und Zucker trinken) und abends dann Vorlieb nehmen mit Rotwein und Keksen oder Weißwein ohne Kekse, aber mit einem Batzen kleingeschnittenem Appenzeller, der über die Woche für die ganze Familie gereicht hätte, alternativ einer Tüte Tortillachips (vorzugsweise zu Fußballevents vor dem Fernseher) oder einer Tafel Nougat-Schokolade. Man(n) hat ja den Tag über praktisch nichts gegessen und benötigt schließlich ein paar Kalorien. Nach drei Tagen fühlt man(n) sich dann schlank (wenn auch schlecht gelaunt) und verlangt mittags wieder nach einem Teller Nudeln.

Wenn dann noch der BMI hilfsweise für die Argumentation herangezogen wird, ist sowieso alles verloren. Gestern hat mein Mann doch felsenfest behauptet, laut seinem aktuellen BMI müsse er eigentlich noch zunehmen. Ich übrigens auch… no comment! Also her mit dem Maßband! Männer sollen auf höchstens 94 cm Bauchumfang kommen. Das lässt sich ganz leicht überprüfen.

Ich finde sowieso, das schwierigste bei der ganzen Abnehmerei ist, damit zu beginnen. Sich das qua guter Vorsätze vorzunehmen, scheitert ja doch meistens. Lieber spontan und ohne groß darüber nachzudenken damit anfangen, zack, bumm! Am besten, solange man noch den Überdruss des Alkoholkonsums verspürt. Dann geht das einfach. Der kritische Punkt kommt erst zwei Tage hinterher, wenn sich der Körper nicht mehr so übersäuert anfühlt und im Kühlschrank noch der Rest des leckeren Vermentino lockt.

Der innere Schweinehund fragt dann schonmal, ob es nicht eventuell sinnvoll wäre, es doch bei einem Gläschen pro Tag zu belassen? Diese wiederkehrenden Diäten sollen ja auch echt gefährlich sein. Und dann würde sich vielleicht auch der Jo-Jo-Effekt nicht so schnell einstellen, weil der Körper noch gar nicht mitgekriegt hat, dass es ihm ans Fett gehen soll. Der berühmte Trick Siebzehn mit Selbstüberlistung sozusagen.

Oder, wenn man einen langen Atem hat, belässt man alles beim Alten und trinkt lediglich vor dem Essen einen halben Liter Wasser. Am Jahresende hat man dann von ganz alleine zweieinhalb Kilo weniger auf der Waage. Macht in 5 Jahren immerhin 12,5 Kilo.

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