Pflanzen für den Klostergarten

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St. Galler Klosterplan, 9.Jh

Im Klostergarten findet man Pflanzengruppen mit unterschiedlichen Funktionen, nämlich Gemüse, Kräuter, Obst und Blumen. Das Gemüse und Obst wurde angebaut für den eigenen Bedarf und um den Teller des Abtes und seiner Gäste zu füllen, Kräuter zum Kochen und Heilen, die Blumen zum Zwecke der Symbolik und ihres Wohlgeruchs wegen.

Gemüsegarten

Ästhetik und Nutzen – beides war in den Klostergärten von Bedeutung. Die streng geometrische Planung diente als Grundlage für die Bepflanzung und orientierte sich in der ausgehenden Antike noch an den Gärten der römischen Landvillen. Im späten Mittelalter bestanden die Gärten aus zeilenweise angelegten Kastenbeeten innerhalb eines rechteckigen Areals. Viele der Gemüse, die zur Grundversorgung angebaut wurden, wuchsen ausserhalb der Klostermauern auf Landgütern. Zu ihnen zählten Erbsen, Rüben, Kohl, die zum Teil auch verwilderten. Im Mittelalter bekannte Gemüsearten waren Amaranth, Artischocke, Cichorie, Endivie, Feldsalat, Garten-Melde, Gurke, Kohl, Kohlrübe, Lauch, Mangold, Mohrrübe, Pastinake, Portulak, Rettich, Rote Rübe, Schwarzwurzel, Sellerie, Spinat und Zwiebel. In der Neuzeit kamen noch Radieschen, Rosenkohl, Spargel und Kürbis dazu, sowie Kohlarten wie Rosen-, Blumenkohl und Brokkoli.

Kräutergarten

Der Heilkräutergarten ist das eigentliche Herzstück des Kräutergartens, zum Beispiel im St. Galler Kloster das „Herbularius“ (um 820) oder der „Hortulus“ des Abtes Walahfrid Strabo v. d. Reichenau (um 840).

Die wichtigsten Kräuter aus dem „Hortulus“ waren Gartensalbei, Weinraute, Eberraute, Wermut, Liebstöckel, Muskateller-Salbei, Spearminze, Odermennig, Katzenminze, Kerbel, Fenchel.

Zu den vielen Kräutern aus Küche und Medizin gehören auch Bohnenkraut, Borretsch, Engelwurz, Lein, Sanikel, Sauerampfer und Schwarzkümmel. Hildegard von Bingen nutzte sie im 12. Jahrhundert ebenso wie die Köche des 16. Jahrhunderts.

Bekannt sind in dieser Zeit ebenso Rosmarin, Thymian, Oregano, Fenchel, Borretsch und Brotklee. Besonders die duftenden Kräuter zählten zu den Sympathiepflanzen, denen man durch Besprechen und Beschwören vermittelnde Dienste anbefahl.

Viele der Duftkräuter wurden in Mischungen und Potpourries zur Desinfizierung und Schädlingsbekämpfung von Haus und Textilien benutzt. Zu den Pflanzen der Kräutergärten gehören deshalb Beete mit Lavendel und Rosen.

Baumgarten

Der Gartenteil mit den Obstbäumen war in der Regel immer integriert in den Nutz- und Kräutergarten. Apfel, Aprikose, Birne, Quitte, Physalis, Maulbeere, Mispel, Pfirsich, Pflaume, Kirsche, Walnuss und Johannisbeeren gehörten zu dem Repertoire.

Zier- und Lustgarten

Ab dem Hochmittelalter gab es innerhalb der Klostergärten auch zunehmend Bereiche, die keinen wirtschaftlichen Nutzen hatten, sondern der Ruhe und dem Gebet dienten. Man fand dort Marien- und Symbolkräuter wie Rosen, Lilien, Iris, Akelei, Erdbereen, Zauberpflanzen mit besonderen Kräften wie Knoblauch, Königskerze, Johanniskraut, und eben Hecken aus alten, duftenden Rosensorten.

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4 Kommentare Add yours

  1. Stepahnie sagt:

    Sooo ein wunderbare artikel!
    Morgen bestell ich 100 Buchsbäumchen zur Beeteinfassung. Muss ich dabei etwas beachten?

    1. anna sagt:

      Kauf lieber kleinere Pflanzen und nicht zu eng setzen. Einen schmalen Graben rings um das Beet ausheben, Buchs hinein, alles schön ausrichten, Erde anschütten. Gießen in den Folgetagen ist ganz wichtig.

  2. Stepahnie sagt:

    Liebe Anna,
    wenn wir eine Clematis um einen Baum ranken wollen, wie weit entfernt darf oder sollte die Clematis vom Baum entfernt sein?

    1. anna sagt:

      Wenn der Boden nicht zu trocken und zu durchwurzelt ist, kannst du sie etwa 1 m entfernt einbuddeln. Damit ist aber nicht gesagt, dass sie dann auch wirklich anwächst. Kommt noch ein bißchen auf das Licht usw. an. Sollte sie nicht wachsen, einfach nächstes Jahr wieder rausnehmen und woanders einsetzen. Habe ich auch gerade gemacht. Meine Clematis und die Birke haben sich einfach nicht vertragen.

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