Unblutig: „Meine kleine vegane Metzgerei“ von S. Kardinal

Spießchen, Spareribs, Schnitzel

Sébastien Kardinal hat sich daran gemacht Chorizos, Bratwürste, klassische Fleischgerichte und internationale Spezialitäten wie Köfte, Yakitori-Spießchen und Golden Nuggets in die vegane Küche zu übersetzen


Fleischersatzprodukte gibt es mittlerweile in jedem Kühlregal. Aber so richtig überzeugend vom Geschmack und ihrer Textur her sind nur wenige. Mit Fleisch haben sie nur in den allerseltesten Fällen etwas gemein. Auch wenn „vegane Wurst“ draufsteht, so ist doch kein Wursterlebnis drin. Genau daran mangelt es den meisten Industrieprodukten.

„Meine kleine vegane Metzgerei“, Sébastien Kardinal, Laura Veganpower, (C) Hans-Nietsch-Verlag, Freiburg, 2017

Der Ausflug in die schön fotografierte „Kleine vegane Metzgerei“ von Sébastien Kardinal ist deshalb eine interessante Erfahrung. Man bekommt eine Idee davon, wie vegetarische Fleischersatzprodukte gemacht werden, und das ist übrigens einfacher als gedacht, und welche Zutaten hauptsächlich in ihnen stecken , nämlich Soja, Seitan ud Tofu sowie diverse Kräuter und Gewürze. Das eröffnet einem die Möglichkeit, den Braten, den Hamburger oder das Hackbällchen den eigenen Aroma-Vorlieben anzupassen.

Sébastien Kardinal beschäftigt sich schon seit mehreren Jahren mit der veganen Küche, was bei der fleischlastigen Ernährung der Franzosen sicherlich eine besondere Herausforderung ist. Bei seinen Rezepten greift er manchmal schlichtweg zu Soja-Fertigprodukten und bearbeitet diese mit Gewürzen und Saucen. Interessanter und weitaus kreativer sind aber jene Würste, Spieße und Fleischgerichte, die er selber herstellt, zusammenmixt, würzt, brüht und bruzelt.

Die Rezepte, die wir ausprobiert haben, waren einfach, dennoch geschmacklich erstaunlich gut und auf jeden Fall besser als die Fertigprodukte. Allein die Beschreibungen und Mengenangaben waren das ein ums andere Mal nicht ganz fehlerfrei. Wir konnten sie zwar retten, doch für unerfahrene Köche wären sie zum Problem geworden. Besonders gut fanden meine Kinder schließlich Köfte und Bratwürste.

Dennoch ist und bleibt Fleisch Fleisch und Soja bleibt Soja. Und das eine kann durch das andere nicht wirklich ersetzt werden. Doch wem das Fleischerlebnis fehlt, hat die Möglichkeit, sich dem unblutig ab und zu anzunähern. Der wirkliche Genuss liegt trotzdem – zumindest für mich – weiterhin beim Gemüse.

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